Studium mit Hund- ein kleiner Ratgeber


Wer bereits im elterlichen Zuhause einen Hund hatte oder sich schon länger einen Hund gewünscht hat kommt zwangsläufig zu der Frage: Kann ich mir während des Studiums einen Hund anschaffen?

Dafür habe ich euch einige Tipps und Entscheidungshilfen aufgelistet, die ihr euch vor Anschaffung eines Hundes während des Studiums auf jeden Fall anschauen solltet.


Hund ja oder nein?

Das erste Mal ohne Eltern alltägliche Pflichten zu regeln und plötzlich mit Verantwortungen wie Steuererklärung und Versicherungen konfrontiert zu werden kann schon allein recht überfordernd sein. Diese Zeit kann durch die Anwesenheit eines Hundes deutlich angenehmer werden - als psychische Stütze und durch die tägliche Routine mit Gassigehen und Schmusen wird der Alltag gleich erträglicher. In Klausurenphasen sorgt der regelmäßige Gang an die frische Luft zwischen den Lernzeiten zu einer deutlich gesünderen Lebensweise.

Trotzdem sollte man sich vor der Anschaffung intensiv mit der Frage beschäftigen, ob man einem Hund gerecht werden kann. Helfen kann hier, wenn man bereits kleinere Verantwortungen übernommen hat. Z.B. suchen die meisten Tierheime nach regelmäßigen Gassi-Gängern. Oder man unterstützt Nachbarn und Freunde zunächst bei Hundespaziergängen etc.. Ausführliche Gespräche mit anderen Hundehaltern aus dem Bekanntenkreis kann auch bei der Findung der richtigen Rasse sowie bei anderen anstehenden Fragen helfen. Manche Tierheime oder Tierschutzgruppen suchen außerdem zeitweise Patenschaften für Hunde, die z.B. mehr Pflege brauchen oder nicht mit anderen Hunden gehalten werden können.

Ich persönlich habe mich in meiner ersten eigenen Wohnung zunächst für die Haltung einer älteren Katze aus dem Tierheim entschieden. Eine Katze ist durchaus eine gute Alternative und i.Allg. nicht ganz so pflege-, kosten- und zeitintensiv wie ein Hund. (Anmerkung: Das ist natürlich stark vereinfacht, aber ein anderes Thema. Das kann ich gerne an anderer Stelle nochmal vertiefen)



Der Zeitliche Faktor

Eine mittelgroße aktive Hunderasse benötigt täglich mehrere Stunden Beschäftigung. Neben täglichen Spaziergängen wird häufig die geistige Auslastung des Hundes vernachlässigt. Gerade bei intelligenteren oder triebstärkeren Rassen wie z.B. dem Border Collies wird man nicht darum herum kommen, eine regelmäßige geistige Auslastungsform zusätzlich zu den normalen Hundespaziergängen bzw. ausreichender körperlicher Auslastung zu finden wie z.B. Rettungshundearbeit, Agility, Longieren, Dummyarbeit o.ä. . Falls man schon vor der Anschaffung Ideen über diese Beschäftigungsformen kriegen möchte, kann man sich das in vielen Fällen bereits ohne Hund anschauen. Die ansässigen DRK Rettungshundeeinheiten haben z.B. meistens ein offenes Ohr für werdende Hundehalter mit Interesse an der Rettungshundearbeit.

Für die Erziehung sollte man sich Hilfe von einem professionellen Hundetrainer holen. Dies kann in Form der Hundeschule in der Gruppe oder auch in Einzelstunden sein. Viele Hundeschulen bieten übrigens bereits bei der Wahl des richtigen Hundes oder allgemeinen Fragen zur Hundehaltung Unterstützung. Als Ersthundebesitzer kann dies eine enorme Stütze sein.

Zusätzlich zur körperlichen und geistigen Beschäftigung des Hundes kann die Pflege bei einigen Hunden wie z.B. bei langhaarigen Hunderassen täglich mehrfach Zeit in Anspruch nehmen. Und die Wohnung muss auch deutlich häufiger gereinigt und gestaubsaugt werden. Hier kann man einen guten Staubsauger empfehlen, der für Tierhaare geeignet ist. Meiner Erfahrung nach machen beutellose Staubsauger mehr Sinn, da man sonst nur mit dem Wechseln der Beutel beschäftigt ist.


Das kleine und große Geschäft

Ein wichtiger Aspekt während der Tagesplanung mit Hund sind seine Entleerungen.

Während ein Welpe in der Anfangsphase auch mal jede Stunde zum Lösen raus muss, kann ein erwachsener Hund tagsüber mehrere Stunden ohne Auslauf auskommen. Um die Nieren nicht zu stark zu beanspruchen sollten es bis auf nachts nicht regelmäßig über 6-8 Stunden zwischen den Toilettengängen werden (Anmerkung: Empfehlung meiner Tierärztin).

Bei einem sehr alten Hund wiederum können sich bei einer Blasenschwäche ähnliche Ansprüche wie beim Welpen entwickeln.

Was muss ich hierbei als Student Besonderes beachten? Wenn man sehr nah an der Uni wohnt, kann man zwischendurch nach Hause fahren und den Hund z.B. zwischen zwei Vorlesungen rauslassen. Hier ist eine naheliegende Stelle zum Lösen wie ein kleines Rasen- oder Waldstück von immensem Vorteil. Müsste man erst eine halbe Stunde bis zur nächsten Möglichkeit mit dem Hund laufen, wird das zumindest mit einem Welpen zum massiven Hindernis. Außerdem ist es sinnvoll, dem Hund ein Kommando zum Lösen beizubringen. So kann man dem Hund schnell klarmachen, dass er sich auf sein Geschäft konzentrieren soll und kann hier etwas Zeit sparen.


Weitere Distanzen zwischen Uni und dem Zuhause können in höheren Semestern oder im Master recht nerven- und zeitaufreibend werden, da Veranstaltungen meist mit unregelmäßigen und größeren Abständen zueinander stattfinden. So kann es mitunter sein, dass man mehrere Male am Tag zwischen Hund und Uni hin und her pendeln muss. Wenn sich die Entfernung nicht ändern lässt, sind gute Mitbewohner, Nachbarn oder Freunde ein gutes Mittel, um den Alltag besser zu gestalten. Diese können dann auf Absprache z.B. bei einem langen Unitag oder während der Klausurenphase mit dem Hund rausgehen.


Der Hund als soziales Hilfsmittel

Der Hund ist eine enorme psychische Stütze im Studium. Nicht nur, dass er als sozialer Partner gegen Heimweh in den ersten Semestern und gegen Einsamkeit bei einer andauernden Pandemie hilft, so sorgt er auch für ständig neue Bekanntschaften. Als StudentIn mit Hund steht man bei vielen KommilitonInnen hoch im Kurs. Und das eine oder andere Mal soll er auch schon bei der Partnersuche geholfen haben. ;)


An vielen Unis gibt es außerdem soziale Gruppen auf Facebook oder anderen Kanälen, bei denen man sich über diverse Themen als StudentIn mit Hund austauschen kann. Auch Nachbarschaftsforen wie Nebenan.de helfen bei dem Finden einer Gassibegleitung oder einem Hundesitter. Und im äußersten Notfall kann man auf diverse Hundetagesstätten zurückgreifen. Eine andere Möglichkeit ist es, eine gemeinsame WG mit anderen StudentInnen mit Hund oder zumindest hundefreundlichen MitbewohnerInnen zu suchen.

Allerdings sollte man sich bei allem noch bewusst sein, dass man im Vergleich zu seinen KommilitonInnen ein deutlich anderes StudentInnenleben haben wird. Nicht jeder Hund ist dazu geeignet am Abend mit in die Kneipe zu kommen.


Das liebe Geld


Finanziell kann ein Hund durchaus eine größere Belastung darstellen. Von einmaligen Kosten bei der Anschaffung und Erstausstattung zu regelmäßigen Kosten wie Hundefutter, Tierarztkosten, Hundesitter, (teilweise vorgeschriebenen) Versicherungen, Hundeschule abgesehen, können auch andere Aspekte das Leben mit Hund teurer machen. Ein viel zu selten angesprochenes Problem ist die Wohnungssuche. Diese gestaltet sich als StudentIn häufig sowieso schon sehr schwierig. Mit Hund kann das mitunter deutlich komplizierter werden und man muss ggf. viel Überredungskunst an Vermietern aufwenden. Empfehlen kann man hier z.B. eine zusätzliche Kaution für den Hund anzubieten.

Bei der Anschaffung eines Welpen oder eines noch nicht ausreichend erzogenem Hund können auch durchaus die ein oder anderen Möbelstücke oder Schuhe dran glauben müssen.

Zusätzlich sollte einem bzgl. Tierarztkosten bewusst sein, dass es neben regelmäßigen Ausgaben wie Wurmkuren und Impfungen sehr hohe einmalige Kosten geben kann. Falls man sich nicht vorher Geld dafür zurückgelegt hatte, kann ein Kredit bei einer notwendigen Operation notwendig werden.

Zuletzt sei zu dem Thema noch gesagt, dass ein Auto zwar in den meisten Fällen nicht dringend notwendig ist, aber definitiv den Alltag mit Hund(en) erleichtert.






Flexibilität im Studium- und danach?

Die Flexibilität während des Studiums ist eine der entscheidenden Punkte, die für die Anschaffung eines Hundes während des Studiums sprechen. Nichtdestotrotz sollte man sich zu diesem Zeitpunkt schon Gedanken machen, was nach dem Studium passiert.

Kann und will ich auch nach dem Studium mein Leben an die Bedürfnisse meines Hundes anpassen? Ein Hund kann je nach Hunderasse zwischen 8-15 Jahre alt werden. Inzwischen darf man zwar immer häufiger den Hund mit ins Büro nehmen. Trotzdem kann man davon im Normalfall nicht ausgehen und sollte gewillt sein, vor und nach einem Vollzeitjob noch ausreichend Energie und Zeit für den Hund zu haben und ihn in der Zwischenzeit sicher versorgt wissen. Da man so etwas nicht wirklich planen kann, gibt es hier keine konkreten Tipps. Seid bitte einfach entsprechend motiviert, eurem Tier immer eine angemessene (ggf. mit Mehrausgaben verbundene) Beschäftigung zu geben.


 

In diesem Artikel spiegeln sich viele persönliche Erfahrungen aus dem Leben mit Hund(en) im Studium. Wenn du noch andere Erfahrungen gemacht hast, würden ich mich freuen, wenn du sie mir entweder als Kommentar unter dem Beitrag oder als E-Mail an blog@chuertgen.de zukommen lässt. Ich freue mich über jede Rückmeldung!


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